Zeitmanagement für Unternehmerinnen: ein Selbstversuch

Zeitmanagement für Unternehmerinnen

Es ist Montagmorgen, 5:30 Uhr. Und es ist ein besonderer Montagmorgen. Ich habe mir nämlich vorgenommen, eine Woche lang meinen Zeiteinsatz im Geschäft zu protokollieren. Einerseits, um ein Gespräch darüber anzustoßen, wie andere das Zeitmanagement für Unternehmer handhaben. Andererseits, um eine wichtige Aufgabe vorzubereiten, nämlich das Outsourcing verschiedener Tätigkeiten.

Denn ich habe noch sooo viel vor, wofür ich mehr freie Zeit wünsche: Zeit für Ausflüge mit meinen beiden Kindern und zum Tee bei meinem Vater, für Erkundungen der Münchner Steakrestaurants mit meinem Freund, Kreativmeetings mit tollen Freunden und Kollegen, mehr Bergfreitage, Sonnenuntergänge an der Amalfitana, meine Speaker-Ausbildung in den Staaten, Nachmittage am See, ein geplanter Umzug heuer…

Stattdessen habe ich mich im ersten halben Jahr nahezu jeden Freitag dabei beobachtet, wie doch wieder was Dringendes zu tun war und der Rucksack für die Bergtour im Schrank blieb. Wie heißt es so schön: Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Deshalb also raus mit Papier und Stift und aufschreiben, wie’s ist. Damit ich diesmal wirklich dran bleibe, gebe ich über meine Blogposts täglich einen Schulterblick auf meinen Schreibtisch.

1. Die Vorbereitung
Ich plane meine Arbeitszeit am Wochenende für eine Woche. Was ich also diese Woche nicht bearbeiten möchte, bleibt auf einer externen Sammelliste stehen und stört auch nicht meinen Frieden. Darauf stehen Kundenprojekte, die später starten, Wartungsarbeiten an meiner Webseite, eine geplante Autoresponder-Serie und so weiter.

2. Zeitmanagement für Unternehmer: die Idee
Die Woche selbst teilt sich bei mir in freie Tage, Fokustage und Bufferdays. Das entspricht dem Time Management System for Entrepreneurs, das ich vor einigen Jahren bei einem Vortrag von Dan Sullivan in Arizona kennengelernt habe. Dahinter liegt die Idee, dass jeder Unternehmer Kernaufgaben und Kernkompetenzen hat – alles andere sollte ohnehin delegiert werden. Ziel ist es, mehr unbelastete freie Tage zu gewinnen. Da bin ich doch gern dabei!

3. Freie Tage
An freien Tagen (die ich zuerst im Kalender eintrage) gilt die Regel: 24 Stunden lang nicht arbeiten, übers Geschäft nachdenken oder sprechen. Ideal für einen Tech Sabbath und unbeschwerte Zeit mit der Familie oder guten Freunden! Diese Woche habe ich mir Samstag und Sonntag dafür eingetragen – mit einer Ausnahme am Sonntag, wo ich nach ein paar vergeblichen Anläufen (Zeit, Halsweh, Aufschieberitis) die erste Ausgabe meiner neuen Facebook-Live-Show plane.

4. Bufferdays
Bufferdays (Montag und Freitag) sind die eierlegenden Wollmilchschweine des unternehmerischen Alltags. Hier kümmere ich mich zum Beispiel um Buchhaltung und Angebote, um meinen Haushalt und die Post, schreibe einen Essensplan für die Woche, fülle den Kühlschrank und richte meine Kleider her. Heute plane ich außerdem die Facebook-Einträge der Woche, den Start meiner neuen 21-Tage-Challenge und briefe die Grafikerin für das Titelblatt unserer neuen MANAGERIN-Ausgabe ein.

Bufferdays sind echte Ärmel-hoch-Tage. Da geht was vorwärts. So ganz nebenbei kann ich meiner leichten ADHS-Neigung frönen und viele verschiedene Tätigkeiten innerhalb kurzer Zeit erledigen. Anrufe, Mails, zwischendurch die Böden moppen, und dann zur Post und zum Steuerberater.

5. Focusdays
Ah! Fokusdays! Sie finden dienstags bis donnerstags statt. An diesen Tagen konzentriere ich mich zu 80 % auf das, was ich am besten kann und was deshalb das Kerngeschäft ist: Beraten, Schreiben, Reden. Alles andere muss bis Freitag warten. Das gefällt nicht jedem und ich habe zum Beispiel letzte Woche eine Lieferantin wirksam verärgert, weil ich mich erst am Freitag mit einer Anfrage beschäftigt habe, die nichts mit dem Kerngeschäft zu tun hatte und aus meiner Sicht ganz leicht warten konnte. Macht Euch also darauf gefasst, dass Euer Umfeld von dieser Abgrenzung nicht unbedingt begeistert sein wird. Ich genieße aber auf diese Weise das gute Gefühl, an drei aufeinanderfolgenden Tagen, also am Stück, an Aufträgen und Projekten dranbleiben zu können. Ohne die Energie für ein Hin- und Herspringen zwischen den Aufgaben zu verlieren und am Ende bei wichtigen Themen doch nicht voranzukommen.

6. Stand der Umsetzung
So die ganz reine Lehre lebe ich derzeit noch nicht. So habe ich zum Beispiel heute noch zwei dringende Kundenprojekte auf dem Tisch, echte Fokusday-Aufgaben, und werde am Sonntag, einem eigentlich freien Tag, auf Facebook online sein. Aber hey, es muss am Anfang ja noch gar nicht perfekt sein. Denn nur, wer anfängt, wer was auf die Straße bringt, kann auch besser werden.

Meine Frage an Dich: Hast Du ebenfalls Gewohnheiten, Rituale oder Strukturen, nach denen Du Deine Woche planst? Welche Tipps und Erfahrungen zum Zeitmanagement für Unternehmer magst Du weitergeben? Ich freue mich auf Deinen Beitrag hier in den Kommentaren.

Hab eine schöne, erfolgreiche Woche!

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